Flüchtlingsberatung in Zeiten der Pandemie

Sun, 14 Mar 2021 16:45:53 +0000 von Ralf Heinemann

© privat
Lucia Schäfer verstärkt das Team seit November

Altkreis Münden.  Wenn Flüchtlinge frisch zugewiesen wurden und ohne Sprachkenntnisse hier ankommen, kann man beim besten Willen keine Telefonberatung machen, sagt Lucia Schäfer, seit November neue Kollegin von Flüchtlingsberaterin Ute Krach. „Genau, das geht nur persönlich und zu Fuß“, ergänzt diese.
Nur so könne man den Neuankömmlingen erklären, wie und wo man ein Konto eröffnen kann oder wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt. Natürlich versuchen auch die Flüchtlingsberaterinnen, so viel wie möglich über Telefon und Internet zu klären, um die direkten Kontakte und damit das Corona-Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, aber immer dann, wenn es besonders kompliziert wird, funktioniert das nun mal nicht.

Obwohl Begegnungsprojekte oder Ausflüge derzeit nicht organisiert werden dürfen, haben die Beraterinnen gut zu tun. Kürzlich sind einige Familien neu dem Altkreis Münden zugewiesen worden. Zu Familien, die bereits hier leben, kamen Verwandte nach, andere zogen aus dem Haus der Nationen aus in eine Wohnung in der Stadt.

Hatten sich die einen vor drei Jahren über ihre befristete Aufenthaltsgenehmigung gefreut, so kehre die Unsicherheit zurück, wenn die Frist abgelaufen ist und das Bangen und Hoffen von vorn beginnt. Diese Unsicherheit sei auch ein Integrationshemmnis, sagen die Frauen. Sicherheit gebe es erst mit einer Niederlassungserlaubnis.

Wenn auch einige Flüchtlinge, die schon länger hier sind, bereits gut per E-Mail zurechtkommen, so ist oft doch spätestens dann, wenn Unterlagen gesichtet werden müssten, ein persönlicher Besuch unvermeidbar, mit Maske, Abstand und Lüften, beschreiben es Ute Krach und Lucia Schäfer. Emotionale Unterstützung könne man ebenfalls schlecht fernmündlich leisten. „Wenn jemand weint oder aufgebracht ist, kann man am Telefon nicht reden“, beschreibt es Lucia Schäfer knapp. Das, was erklärt werden muss, sei auch oft komplex und kompliziert. Zudem sei momentan der Zugang zu Behörden schwieriger, weil alle unter Corona-bedingten Einschränkungen arbeiteten. Da laufe mehr über die Flüchtlingsberatung.

Nun hoffen beide, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Kontaktbeschränkungen wieder gelockert werden, um im Sommer gemeinsam etwas draußen unternehmen zu können. „Wir wollen ja keine großen Parties feiern, aber Begegnungen gestalten“, sagt Lucia Schäfer. „In kleinen Aktionen die Umgebung erkunden, vielleicht mal auf den Blasius-Turm steigen“, ergänzt Ute Krach.

Viele Angebote, bei denen sonst Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenkommen, hatten 2020 fast komplett ausfallen müssen: Das Deutschlern-Café, das Nähcafé für Frauen und auch die Männergruppe. Im Sommer gab es aber einige Gelegenheiten für Treffen im Freien, beispielsweise zu Spaziergängen und zu einem tollen, gemeinsamen Tag im Tierpark Sababurg.

Weiter geplant wird an einem Gartenprojekt, Haupt- und Ehrenamtliche haben sich Tipps und Anregungen dazu bereits in internationalen Gärten in Göttingen und Duderstadt geholt.

Neu im Team: Lucia Schäfer

Flüchtlingsberatung in Zeiten der Pandemie: Lucia Schäfer ist in eine ungewöhnliche Arbeitssituation gekommen, als sie im November nach zwei Jahren Babypause in ihren Beruf zurückkehrte. Zumindest, was die Umstände angeht, denn inhaltlich hat sie genau dort weitergemacht, wo sie aufgehört hatte. Nachdem sie in Ravensburg/Weingarten soziale Arbeit studiert hatte fing sie 2015 in der Flüchtlingssozialarbeit an – mitten in jener Zeit, als gerade besonders viele Menschen Schutz in Deutschland suchten. Sie arbeitete in der Erstaufnahme im Landkreis Ravensburg, mit Notunterkünften und 150 Ankünften pro Woche. Danach wechselte sie zu einem freien Träger und begleitete junge Flüchtlinge bei deren Verselbstständigung.
Heute lebt die 31-Jährige wieder dort, wo sie geboren wurde, in Witzenhausen, und hat sich gefreut, beruflich wieder da einsteigen zu können, wo sie vor der Babypause stand, sagt sie: „Man sieht immer kleine Erfolge, aus jedem Kontakt geht man raus und hat das Gefühl, es hat etwas gebracht. Allein schon das Zuhören hilft. Ich finde es unheimlich bereichernd, Menschen zu unterstützen.“ Um ehrenamtlich andere zu unterstützen macht sie gerade eine Ausbildung zur Stillberaterin, für künftige kostenlose Mutter-zu-Mutter-Beratungen.

Hintergrund
Die Flüchtlingsberatung für den Altkreis Münden ist unter dem Dach des Diakonischen Werkes in Hann. Münden untergebracht, Welfenstraße 5. Ute Krach und Lucia Schäfer teilen sich 1,5 Stellen.
Wer persönliche Beratung benötigt, vereinbart vorab einen Termin. In der Regel ist die Flüchtlingsberatung montags bis donnerstags zwischen 8 und 16 Uhr sowie freitags zwischen 8.30 Uhr und 13.30 Uhr telefonisch oder per E-Mail zu erreichen.

Kontakt
Tel.: 05541 / 701 90-21 und -22
Ute Krach,  ute.krach@kirchenkreis-muenden.de
Lucia Schäfer, lucia.schäfer@evlka.de
Quelle: privat
Ute Krach Dipl. Sozialarbeiterin
Quelle: privat
Lucia Schäfer B.A. Sozialarbeiterin